Krankenhaus der Staatssicherheit

July 2015

Das „Schild und Schwert der Partei“ nannte die Elite der DDR liebevoll seinen Nachrichtendienst, das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Hauptaufgabe war der Machterhalt der allein regierenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Der MfS ist heute umgangssprachlich besser als Stasi bekannt und war zwischen 1950 bis zu seiner Auflösung 1990 der In- und Auslandsgeheimdienst der DDR. Als Mittel standen Überwachung und Einschüchterung bis hin zu Terror und Zersetzung zur Verfügung.

Neben etwa 90.000 hauptberuflichen Mitarbeitern unterhielt der MfS auch eine Schattenarmee von 190.000 „inoffiziellen“ Mitarbeitern, die auch im zivilen medizinischen Bereich Tätigkeiten ausübten. Für die hauptamtlichen Mitarbeiter stellte der MfS eine eigene Medizinische Versorgung zur Verfügung. Doch die Medizin stand auch in ganz anderem Maße im Dienste der Staatsicherheit, ein bis heute wenig aufgearbeiteten Kapitel der DDR. So verfügte der MfS ab 1973 über ein sogenanntes „operatives Arbeitsgebiet“, welches der damalige Minister für Staatssicherheit Erich Mielke zur Chefsache erklärte.

Hinter der „medizinische Begutachtung“ und Betreuung durch „gezielte Gespräche“ verbarg sich beispielsweise die Isolationsfolter mit Schleimkost, aber auch die „Umerziehung“ durch schmerzhafte Untersuchungen und Medikamentenversuche waren ein gern genutztes Mittel. Kritische Rückblicke wagen heute nur wenige Ärzte, was wohl auch daran liegt, dass sie heute noch ihren Platz in der Gesellschaft haben und Gutachten schreiben. Den Opfern hingegen wird nur wenig Glauben geschenkt, wer damals als psychisch krank eingestuft wurde ist noch immer stigmatisiert.

Lässt man sich das in oben genannten Absatz geschriebene auf der Zunge zergehen ist es eine schöne Ironie inmitten dieses riesigen leergeräumten Komplexes ein Poster zum Film „Der Test des Piloten Pirx“, ein Buch „Grundlagen der ärztlichen Begutachtung“ und ein psychologisches Gutachten eines jungen Patienten zu finden. Wie in so vielen riesigen entkernten Komplexen mussten auch hier die Kleinigkeiten erst einmal gefunden werden, dennoch war es eine schöne Erkundung inclusive fantastischen Ausblicks vom Dach.

„Wenn ein Arzt hinter dem Sarg eines Patienten geht, folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung.“
Voltaire

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