Das Haus der Offiziere

November 2014

Anfang der 90er Jahre wurde die Sowjetische Besatzungszone auf dem Gebiet der ehemaligen DDR aufgelöst. Innerhalb kürzester Zeit wurden über 100 Militärstandorte geschlossen. Bis heute die größte Truppen- und Materialverlegung die in Friedenszeiten durchgeführt wurde. In diesem Zusammenhang wird auch gern davon gesprochen das „alles, was nicht niet- und nagelfest ist“ mitgenommen wurde. Das mag in bestimmter Hinsicht auch stimmen, trotzdem findet man heute noch einige Interessante Hinterlassenschaften. Vor allem die zahlreichen Sowjetischen Denkmäler und Monumente zählen dazu, aber auch das Kunstwerk „Das darf nie wieder geschehen“. In einem der Räume vom Haus der Offiziere kann man es finden, denn trotz besenreiner Übergabe hat man ausgerechnet diese Erinnerung zurück gelassen. Ich hatte irgendwie ein sehr mulmiges Gefühl beim betrachten und ablichten des Motives.

DAS DARF NIE WIEDER GESCHEHEN

„Für unser Volk war der Vaterländische Krieg der grausamste Krieg, den unsere Geschichte je erlebt hat. Dieser Krieg brachte schwere Folgen für die Sowjetunion mit sich: 27 Mio. Menschen wurden getötet, 1710 große und kleine Städte zerstört, 70.000 Dörfer und Siedlungen niedergebrannt, 32.000 Industriefabriken zerstört, 98.000 Kolchosen, 1876 Sowchosen und 2890 Maschinen-Traktoren-Station wurden verwüstet. Der materielle Schaden betrug 679 Mrd. Rubel.“

Das heute als „Haus der Offiziere“ betitelte Gelände wurde bereits zu Kaiserzeiten angelegt und erhielt im Lauf der Zeit verschiedenste Bezeichnungen. So wurden die Gebäude ursprünglich als Militärturnanstalt erbaut mit verschiedensten Sport- und Turnhallen. Kurze Zeit später betitelte man die Turnanstalt als Lehrgang für Leibesübungen. Ab 1936 dienten die Gebäude schließlich den Olympiaathleten unter dem Name Heeressportschule zur Vorbereitung auf die Berliner Olympiade. Es gab eine Schwimmhalle und ein Schwimmbad, Sporthallen in verschiedenen Größen, einen Fechtsaal und eine Reithalle.

Im zweiten Weltkrieg nutzten die Nazis das Gelände als Nachrichtenzentrum und auch zweitweise als Lazarett. In der Nähe erbaute man zu dieser Zeit noch heute erkundbare riesige Bunkeranlagen. Von 1945 bis 1994 nutzte die Sowjetunion die Gebäude als Kultur- und Vergnügungszentrum, denn in der näheren Umgebung entstand der größte Militärstandort auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Um sich den Aufenthalt etwas angenehmer zu gestalten baute man viele der Sportstätten in Konzert- und Kinosäle um. Der Militärdienst war dadurch vor allem für Offiziere sehr viel angenehmer als in der vaterländischen Heimat.

Seit 20 Jahren stehen die Gebäude nun leer und verfallen. Ein Wachschutz der 24h vor Ort ist kümmert sich darum, dass Unbefugte die Gebäude nicht betreten. So blieb vor allem das Haus der Offiziere größtenteils von Vandalismus verschont. Unter den Ortsansässigen wird das gesamte Areal noch gerne als „Klein-Moskau“ bezeichnet, denn man spricht von bis zu 700 Gebäuden die noch immer nicht genutzt werden.

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Trockenbad


Seitenflügel

Kolchose – kollektiver Landwirtschaftsbetrieb ä. den Landwirtschaftl. Produktionsgenossenschaften (LPG’s) der DDR

Sowchose – staatlicher Landwirtschaftsbetrieb ä. den Volkseigenen Gütern (VEG) der DDR

Maschinen-Traktoren-Station – Einrichtungen in denen die Bauern in sozialistischen Ländern landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren ausleihen konnten

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