Beelitz – Männersanatorium

August 2014

Der Zauberberg von Brandenburg, so werden die Beelitzer Heilstätten in Anlehnung an Thomas Mann’s „Der Zauberberg“ auch hin und wieder bezeichnet und verzaubern kann dieser Ort einen wirklich. Vor allem das Sanatorium für Männer mit der Zentralen Badeanstalt hat mich sehr beeindruckt. Wo ein Großteil der anderen Gelände vom Verfall und Vandalismus stark geprägt waren, sind diese beiden Gebäude davon einigermaßen verschont geblieben. Viele große Säle und Treppenhäuser mit schönen Licht- und Schattenspielen gibt es zu entdecken und wer sich lieber an staubig-rostigen Maschinen erfreut der wird in der alten Fleischerei fündig.

Seit 1945 wurden die „Heiligen Hallen“ von der Roten Armee als größtes Militärhospital außerhalb der UdSSR genutzt. Prominentester letzter Gast der sich hier im Exil gegen Leberkrebs behandeln ließ, war der gefallene Staatschef der DDR Erich Honecker mit seiner Frau. Unter der ständigen Bewachung von Soldaten lebten sie hier fast ein Jahr, ehe sie Anfang 1991 nach Moskau ausgeflogen wurden. Wem der genannte Staatschef kein Begriff ist, der wird mit dem Namen Putin etwas anfangen können. Denn auch Mitbürger aus Polen und der Tschechoslowakei wurden hier behandelt, darunter auch der damalige KGB-Mitarbeiter Wladimir Putin.

Der eigentliche Verfall der Heilstätten konnte durch die jahrelange Nutzung der Sowjetunion hinausgezögert werden, nach dem Abzug 1994 nahm dieser allerdings dramatische Züge an. Alles was da gelassen wurde verschwand innerhalb kürzester Zeit, OP-Bestecke und Verbandsmaterialien waren dabei das geringste übel, teilweise wurden die Kupferdächer abmontiert was den Verfall durch Regenwasser enorm beschleunigte. So begannen auch sehr dunkle Zeiten für die Heilstätten. In den Jahren des Leerstandes gab es mehrere tödliche Unfälle auf dem Gelände die größtenteils auf Leichtsinnigkeit zurück zu führen sind. Der Rosa-Riese oder auch die Bestie von Beelitz, ein Serienmörder in der Gegend, trieb sein Unwesen allerdings schon einige Jahre zuvor.

Mittlerweile gibt es aber Licht für die Heilstätten, viel Licht. Verfall und Architektur machten die Heilstätten zu einem beliebten Motiv im kreativen Bereich. Viele Filmproduktionen entdeckten den morbiden Verfall als Motiv, Polanskis Der Pianist, Operation Walküre mit Tom Cruise und Men & Chicken mit Mads Mikkelsen fanden hier her. Zuletzt wurde der Horrorfilm A Cure for Wellness von Gore Verbinski hier gedreht für den mehrere Räume restauriert und in den Original Zustand zurückversetzt wurden. Auf dem Gelände der Frauenlungenheilstätte entstand in den letzten Monaten ein Baumkronenpfad und das Frauensanatorium wird zu einer Creative-Village für Künstler ausgebaut.

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